Goldgrube Elektroschrott
Wenn Geräte und Speicher an die Grenzen ihres Lebenszyklus kommen, müssen sie nicht auf dem Schrottplatz landen. Immer mehr Schweizer Firmen entdecken vermeintlichen Technikmüll als wertvolle Rohstoffquelle und schenken Solarpanels, E-Fahrzeug-Akkus und alten Elektrogeräten ein zweites Leben. Nachhaltigkeit beginnt dort, wo andere entsorgen.
E-Auto-Batterien werden PV-Energiespeicher
Die Zürcher Libattion AG zeigt, wie aus gebrauchten Batterien neue Energiespeicher entstehen. Das 2018 gegründete Unternehmen nutzt recycelte und aufgewertete Lithium-Ionen-Batterien aus E-Fahrzeugen für hochwertige Speichersysteme. Ziel ist es, die Schweiz mit nachhaltigen Batterien für energieintensive Branchen wie Landwirtschaft und Logistik zu versorgen. Ihre Produkte reichen von Hochspannungsbatterie-Racks über Batteriecontainer bis zu Energiemanagementsystemen, mit denen sich PV-Energie effizient speichern und steuern lässt. Alle Speicherlösungen sind BMS-zertifiziert und helfen Unternehmen, ihren CO₂-Fussabdruck zu senken. Gemeinsam mit der Librec AG, einem Spezialisten für Batterierecycling, betreibt Libattion das Produktionszentrum in Biberist, wo die Systeme automatisiert gefertigt werden.
Fahrzeugbatterien im Kreislauf
Auch die Kyburz Switzerland AG aus Freienstein bei Zürich setzt auf ein ganzheitliches Batterieleben. Ihre E-Fahrzeuge flitzen schweizweit als Postzusteller oder Industriehelfer über die Strassen. Als Gründungsmitglied des Circular Economy Symposiums verfolgt Kyburz eine konsequente Kreislaufstrategie: das MultiLife-Konzept. Nach ihrem ersten Einsatz als Nutzfahrzeuge starten die Modelle als 2ndLife-Fahrzeuge in ihr zweites Leben. Im dritten Lebenszyklus wandern die Batterien in stationäre Energiespeicher, etwa für PV-Anlagen. Und selbst danach ist noch lange nicht Schluss: In der firmeneigenen Recyclinganlage zerlegt Kyburz die Batterien in ihre Rohstoffe. 91 Prozent der Materialien fliessen so zurück in den Kreislauf. Neben Nutzfahrzeugen entwickelt das 1991 gegründete Unternehmen mit «My Esel» sogar ein stylisches E-Velo mit Holzrahmen. Ein perfektes Beispiel dafür, wie Design und Nachhaltigkeit zusammenfinden.
Schrott ist nicht gleich Schrott
Für die Immark AG ist Elektroschrott kein Abfall, sondern Rohstoff. Das Unternehmen mit Standorten in Regensdorf, Aarwangen und Liestal ist Marktführer in der Wiederverwertung von Elektronikschrott in der Schweiz. Die Spezialist*innen sortieren, trennen und verarbeiten Altgeräte so effizient, dass bis zu 95 Prozent der Ressourcen wieder in den Materialkreislauf gelangen. Gegründet 1989 und seit 2010 Teil der Thommen Group in Kaiseraugst, gilt Immark heute als Pionierin der Schweizer E-Recycling-Branche.
Der Weg zum E-Recycling
Auch Privatpersonen und Unternehmen können aktiv mithelfen, Elektroschrott im Kreislauf zu halten – mit SENS eRecycling. Die unabhängige Stiftung betreibt gemeinsam mit Partnern ein landesweites, nachhaltiges Rücknahmesystem. Händler, Hersteller und Importeure sind verpflichtet, ausgediente Geräte zurückzunehmen. SENS organisiert deren Weiterverwertung so, dass Umweltbelastungen möglichst gering bleiben. Über die Circular-Plattform finden Nutzer*innen mit wenigen Klicks heraus, ob ein Gerät in den Schrott gehört, repariert oder verkauft werden kann. So landet weniger Technik im Abfall und mehr im Kreislauf.