Ein Team im Wasser
Er ist Doppel-Vize-Europameister über 200 Meter und 400 Meter Freistil, sie mehrfache Schweizermeisterin. Zusammen holten Vanna und Antonio Djakovic an den Schweizer Meisterschaften 2025 gleich elfmal Gold. Schnell ist klar: Wir sehen ein Geschwisterduo mit grossen Zielen. Was treibt sie an?
6 Uhr morgens, der Wecker klingelt. Frühstück, dann ab ins Hallenbad. Um 7 Uhr beginnt die erste Trainingseinheit. Danach eine Stunde Krafttraining, mittags kurz ausruhen, weiter mit der zweiten Schwimmrunde. Zweimal täglich, je rund sechs Kilometer. So sieht der Alltag von Vanna und Antonio Djakovic aus. Ein Alltag, der sich lohnt: Elf Goldmedaillen bei den Schweizer Meisterschaften 2025 sprechen für sich. Antonio (23) ist Doppel-Vize-Europameister über 200 und 400 Meter Freistil und war bereits zweimal bei den Olympischen Spielen. Schwester Vanna (19) ist mehrfache Schweizermeisterin, hat gerade erst einen neuen Schweizerrekord auf 1500 m Freistil unterboten und glänzte zuletzt an der Jugend-EM 2023 und der U23-EM 2025. Kürzlich haben sich zudem beide erfolgreich für die Kurzbahn EM in Polen qualifiziert.
« Ich visualisiere mein Ziel und sage mir: Das will ich erreichen– das motiviert mich, jeden Tag alles zu geben. »
Antonios Motivationstipp
Im Wasser daheim
Für beide ist Schwimmen längst mehr als Sport. «Das Hallenbad ist wie ein zweites Zuhause», sagt Vanna. «Sobald ich ankomme, spüre ich, wie frei ich im Kopf werde.» Auch Antonio nickt: «Wenn ich ins Wasser springe, bin ich in meinem Element. Ich kann abschalten und mich völlig aufs Jetzt konzentrieren.»
Schwimmen ist Familiensache
Der Schwimmsport wurde den beiden sprichwörtlich in die Wiege gelegt. «Unser Vater war früher auch Schwimmer», erzählt Antonio. «Als er mir seine Medaillen gezeigt hat, habe ichihm gesagt: Ich will auch so viele gewinnen.» Er probierte zwar verschiedene Sportarten aus, doch im Wasser fand er seine Leidenschaft – und steckte damit auch seine drei Jahre jüngere Schwester an.
«Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mir das richtig gefällt», so Vanna. «Ich war schon als kleines Mädchen ehrgeizig und wollte immer gewinnen.» Zu ihren grossen Vorbildern zählen zwei Weltstars: «Ariarne Titmus hatte den Weltrekord über 400 Meter Freistil, und Katie Ledecky ist eine unglaublich starke Sportlerin – sie gewinnt seit Jahren Gold an den Olympischen Spielen. Beide inspirieren mich sehr.» Für Antonio hat sich die Perspektive über die Jahre verändert: «Früher hatte ich selbst Vorbilder. Heute merke ich, dass kleine Kinder zu mir aufschauen – und das ist schön. Jetzt will ich ihnen zeigen, dass Schwimmen Spass macht und sich der Einsatz lohnt.»
« Zu sehen, was ich schon erreicht habe – und was noch möglich ist – motiviert mich täglich. »
Vannas Motivationstipp
Zwei Bahnen, ein Ziel
Konkurrenz? Fehlanzeige. «Wir unterstützen uns gegenseitig – egal ob an den Schweizer Meisterschaften oder international», sagt Antonio. Vanna nickt: «Ich freue mich für seine Erfolge und er für meine.» Beide trainieren bei Paul Kutscher in derselben Trainingsgruppe. Das hilft, ihren Alltag perfekt zu synchronisieren. «Ich finde es toll, dass wir gemeinsam unterwegs sind», sagt Antonio. «Wir ziehen uns gegenseitig mit und wachsen dabei als Geschwister – ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.»
Becken der Stars
Wo sie am liebsten schwimmen? «In Uster!», sagen beide. «Eines der schönsten Hallenbäder der Schweiz», meint Antonio lachend. Doch auch ausserhalb der Heimat haben die Geschwister Lieblingsbecken. «Eins meiner liebsten ist auf Teneriffa», erzählt Vanna. «Eine riesige Anlage, unter freiem Himmel – einfach perfekt für Sportler*innen.» Antonio ergänzt: «In Kroatien schwimmen wir oft im Sommer. Da gibt’s ein Becken draussen, eines drinnen und gleich daneben das Meer. Mit dieser Aussicht ist das einfach magisch.»
Vom Thurgau über Uster zu Olympia
Sich ganz dem Sport widmen zu können, ist für Vanna und Antonio keine Selbstverständlichkeit. «Unsere Eltern haben ihre Jobs aufgegeben, weil sie an uns geglaubt haben», erzählt Antonio. «Sie wollten, dass wir unseren Traum leben können.» Für den Schwimmsport zog die Familie vom Thurgau nach Uster, wo beide die Kunst- und Sportschule besuchten. «Dafür sind wir unendlich dankbar», sagt Vanna. Und das nächste grosse Ziel? Olympia 2028 gemeinsam als Geschwister. «Damit unsere Eltern uns einmal zusammen an einer Olympiade sehen können».